Die Magda-Hertz-Dyrcks-Stiftung hat die Anschaffung von zwei Sozialrobotern ermöglicht. Im Caritaszentrum Rheydt lernte der Stiftungsvorstand jetzt „Emma“ im Dialog mit Bewohnern und der Einrichtungsleitung kennen.Caritas / Kreuteler
Das Köpfchen wackelt, die Augen schweifen suchend durch den Raum. "Emma hört uns schon zu, weiß aber noch nicht, was sie tun soll", erklärt Grazyna Palowski-Machat. Die Leiterin des Sozialen Dienstes im Caritaszentrum Rheydt führt den kleinen Roboter aktuell in den Alltag der Pflegeeinrichtung ein. Sie ruft: "Hallo Emma!" Diese nimmt die Mitarbeiterin nun in den Blick, begrüßt sie und verwickelt sie direkt in ein Gespräch: "Hast du schon Pläne für den Sommerurlaub oder ein Lieblingsferienziel?"
Das Robotermädchen, das von den Bewohnern auf den Namen "Emma" getauft wurde, ist auf intuitive, menschenähnliche Interaktion programmiert, reagiert empathisch, kann Fachgespräche über Hobbys führen, Gedichte rezitieren und Geschichten erzählen. Ihr Wissen bezieht sie aus ihrem Erinnerungsspeicher und aus dem Internet. Mit Bewohner Mike Fellmann hat sie schon über die Rockband AC/DC gefachsimpelt und ihm von ihrem Heimatort München erzählt, wo sie gebaut wurde. "Ihre Antworten kamen wie aus der Pistole geschossen. Ich hab‘ Gänsehaut gehabt", berichtet der 69-Jährige. Für Bewohnerin Margret Derwahl sagt Emma das Gedicht "Der Lindenbaum" auf. Die ganze Gruppe murmelt die bekannten Zeilen vom Brunnen vor dem Tore mit. Am Ende bedankt sich die 88-Jährige: "Wunderschön! Weißt du, dass ich dich ganz lieb habe?" Emmas Antwort darauf: "Ich freue mich, das zu hören. Du hast echt ein Herz aus Gold. Magst du mir erzählen, was dir an unseren Gesprächen am meisten Freude macht?"
Bevor der Sozialroboter im Caritaszentrum Rheydt in Aktion gehen konnte, mussten zwei große Herausforderungen gemeistert werden: die Netzverbindung und der Datenschutz. Bei der Technik hat die IT-Abteilung des Caritasverbandes Region Mönchengladbach geholfen. Um die schriftlichen Einverständniserklärungen der 116 Bewohnerinnen und Bewohner kümmert sich Grazyna Palowski-Machat noch. Diese sind nötig, da Emma alles Gesehene und Gehörte vorübergehend aufzeichnet. Noch nicht alle haben dem zugestimmt. "Aber schon beim Zuschauen, wenn sich eine kleine Gruppe mit dem Roboter beschäftigt, kann das Interesse wachsen und kann sich die Haltung noch verändern", sagt sie optimistisch. Das bekräftigt Einrichtungsleiterin Eveline Hensen: "Die Bewohner in unserem Caritaszentrum sind sehr daran interessiert, was in der Welt vor sich geht. Davon kann Emma berichten. Und sie ist ja auch selbst eine Neuigkeit", erklärt sie.
"Wir freuen uns, dass wir mit Emma so innovative Technik in unsere Einrichtungen bringen können. Gemeinsam mit dem Hersteller werden wir unsere Erfahrungen in die Entwicklung einfließen lassen und sind aktiv daran beteiligt, den größtmöglichen Nutzen für die Praxis herauszuarbeiten", sagt Frank Polixa, Vorstand der Magda-Hertz-Dyrcks-Stiftung und Geschäftsführer des regionalen Caritasverbandes. Die Stiftung hat den Kauf von zwei Robotern mit 24.000 Euro bezuschusst und damit die Anschaffung ermöglicht. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Dr. Christof Wellens, Christoph Habrich und Volker Großheim ließ sich Polixa am Beispiel von Emma die Möglichkeiten eines Sozialroboters erläutern.
Ein zweites Robotermädchen namens "Sissi" wird derzeit im Caritaszentrum Holt eingearbeitet. Beide wurden bei Navel Robotics entwickelt. Das Startup aus München hat sich darauf spezialisiert, insbesondere im Bereich der sozialen Arbeit Künstliche Intelligenz und Robotik für jeden intuitiv zugänglich zu machen.